Der Hockey Blog – Niki’s Super Glide

Niki Wacholda, seine Schule, seine Halle und sein “artificial turf”

Niki Wacholda

Hallo Leute. Lange ging es jetzt immer um die Probleme in unserer Sportart. Heute kann ich endlich wieder über etwas richtig cooles und tolles schreiben! Dafür bin ich meinem alten Münchner Kollegen und Kumpel Niki Wacholda sehr dankbar. Zum einen für diesen Artikel, dann für sein schönes Projekt und schließlich für den Mut, das Ding durchzuziehen. Nachdem er bei uns in der 1.Mannschaft eine Saison lang ausgeholfen hatte, beschloß er seine Karriere nicht als aktiver Spieler zu bestreiten. Er begann als Trainer im Verein, dann kam die eigene Eishockeyschule und schließlich hat der Junge seine eigene Eishalle eröffnet. Das ist die Erfolgsstory. Doch beruflichen Erfolg hatte Niki bereits vorher. Wie es aber dazu kam als BWL Absolvent, der ursprünglich bei einem großen Luft- und Raumfahrtkonzern eine komfortable Position besaß, so ein Ding zu drehen, berichtet er hier in seiner Hockey Blog Geschichte aus dem Leben.

Etwas Hang zum Narzismus

Ich denke ich fange mit dem Schritt an, der mich dahin brachte wo ich jetzt bin – ein verrückter Eishockeytrainer. Ich war bereits Nachwuchstrainer beim EHC München und der Verein erhielt nie genug Eiszeit von der Stadt, um mehr als 2x 50min auf das Eis zu gehen. Als Trainer ist das sehr herausfordernd, da man Methoden entwickelt, effizienter das Training zu gestalten. Aber auf Dauer ist es doch die Eiszeit, die den Unterschied ausmacht, ob deine Schützlinge eine reelle Chance auf eine Profikarriere haben. Deshalb schickten wir die Kinder zu anderen Vereinen so bald wir fanden, dass Sie dort besser aufgehoben sind, wenn sie nicht selbst diesen Schritt schon gemacht haben. Das ist frustrierend, weil deine Früchte der harten Trainingsarbeit dir nicht mehr zugeordnet werden können. Und sind wir mal ehrlich, wir brauchen die Anerkennnug. Das ist unser Lohn. Wir Trainer sind alles Egozentriker mit einem Hang zum Narzissmus.

Einfach mal googeln

Also schaute ich, was es für Möglichkeiten gab – was kostet eine Trainingshalle, welche Förderungsmöglichkeiten gibt es, kann man das als Verein ohne Stadt finanzieren und so weiter. So stieß ich beim Googlen auf etwas wahnsinniges, Kunststoffeis. Ich sah das Video und war sofort nervös…

Ich dachte daran, wie man damit überall kostengünstig Eishallen und kleine Eisflächen bauen konnte. Ich recherchierte weiter und fand heraus, dass es Eishockeyschulen in den USA und Canada gab, die auf nichts anderem als Kunststoff trainierten – und die Leute bezahlten dafür um auf s.g. Mini-Rinks (ca. 50-200qm) die Kinder zu perfektionieren. Und jetzt kommt es faustdick: Das schon seit etlichen Jahren! Die Vorteile liegen klart auf der Hand. Die Fläche kostet keinen Unterhalt wenn Sie nicht benutzt wird, kleinste Flächen sind genauso möglich um Technik zu trainieren und sie sind mobil, d.h. man könnte Sie auch im Sommer ins Eisstadion legen oder neue Kunden fürs Eishockey begeistern, wenn man als Events im Sommer das Eishockey zu den Leuten bringt, anstatt sie mühsam erstmal ins Stadion zu bekommen. Ich wusste sofort, dass ich das auch haben und machen will. Es war definitiv eine Reise wert, um das selbst zu testen. Ab in die USA geflogen, einige Produkte getestet und die Eishockeyschulen angeschaut. Schnell war klar, dass es viele Produkte gibt, aber doch erhebliche Qualitätsunterschiede: Von geht gar nicht bis zu fast kein Unterschied zum Eis. Ich beschloß ein Produkt zu wählen, das den Eislaufeigenschaften am nächsten kam. Mittlerweile kann ich behaupten, dass es identisch ist, bis auf einen leicht erhöhten Widerstand.

 

 

 

Skepsis und die ersten konkreten Erfolge

Der Anfang war schwer. Ich investierte viel Geld um das Produkt zu vermarkten. Bei den Verbänden und Vereinen wollte niemand etwas davon was wissen (Das kennt Manuel auch nur zu gut). Und in München eine Location zu finden, um eine eigen Eishalle zu finanzieren, war sehr schwer. Ich suchte und musste aber parallel Geld verdienen. Meine ersten Kunden waren Geschäftsleute, die erkannten, dass meine Lösung kostengünstiger ist und somit Ihnen mehr Profit bleibt. Allerdings alles Eisflächen für Publikumslauf in Einkaufszentren. Danach kamen die Gemeinden, die sich den Unterhalt einer echten Eisbahn für einen Weihnachtsmarkt nicht leisten konnten. Parallel versuchte ich immer wieder Vereine und Funktionäre anzusprechen. Das Interesse wuchs, aber nichts konkretes. Nur einige Privatkunden legten es sich in den Keller oder in die Garage, u.a. Englbrecht Jr.! In 2009 war es endlich so weit. Der ursprüngliche Plan meiner eigenen Eishalle konnte starten. Es wurde gegenüber von meinem Büro eine Lagerhalle frei, im 1. Stock über LIDL. 25m x 9m Eisfläche! 6 Wochen später eröffnete ich, da ich die Ideen ja schon jahrelang ausgetüftelt habe, unter dem Namen HockeyDOME. Natürlich war es jetzt wieder mal nicht einfach. Mein Verein wollte ursprünglich Zeiten anmieten und auf einmal doch nicht mehr. Die Trainer waren skeptisch. Ich konnte zehn mal erzählen, dass bereits Rumrich und Jason Dunham aus der DEL das Eis getestet haben oder Markus Pöttinger, ehemliger DEL Spieler. Nix zu machen. Allerdings war mein früherer Trainerkollege Patrik Kohlert aus Germering von Anfang Kunde und auch Matt Nee von der XHA bot seine Kurse bei mir an. Germering ist mittlerweile mit den Schülern zwei mal in Folge von der BZL in die Bayernliga aufgestiegen. Ob es die jährlich 56 Stunden mehr Eiszeit waren, mag ich nicht ausschliessen. Sämtliche EHC München Spieler, die beim BEV gemeldet sind, kommen im Sommer zur XHA zu uns. Eine Korrelation kann ich nicht feststellen. Ein Trainer vom EHC, der strickt gegen Kunststoffeis ist, lobt aber meine Schützlinge, dass Sie am Eis einen Wahnsinns-Antritt haben (sagt eine Mutter) und eine weitere erzählte mir, dass ihr Sohn die Schlittschuhannahme an der Bande im nächsten Spiel sofort angewandt hat und somit den Gegner umlaufen konnte und ein Tor schoß…

Super Glide vs. Inline… kein Vergleich

Mittlerweile buchen Trainer aus dem Umland Zeiten bei uns, ohne dass ich dafür noch Marketing machen muss. Wir bieten Turniere für die Bambinis und KLST an, die sonst nur selten oder nie zu Turnieren fahren.Richtig stolz macht mich, dass ich auf Grund meiner Eishalle und somit örtlichen Nähe mindestens 4 Kinder zum Eishockey bringen konnte, die sich sonst nie für diese Sportart entschieden hätten. Was heißt das für uns und den Nachwuchs im deutschen Eishockey? Eisflächen sind finanzierbar und man kann damit sogar Geld verdienen. Die Kinder profitieren davon und wenn sich Vereine und Verbände entschliessen würden, dieses Produkt aktiv zu fördern, könnten neue Eisflächen und mehr Eiszeit entstehen. Wenn ich das als Privatperson mit hohen Mietkosten kann, sowie Thomas Martinec in Mannheim, dann ist das für Städte und Gemeinden ein Leichtes. Mehr Menschen würden diesem Sport treu bleiben und somit interessanter für die Vermarktung werden. Ich hoffe, dass noch weitere Eishallen nach meinem Modell entstehen und somit die Trainer ihr Hobby hauptberuflich ausführen können, ohne am Hungertuch zu leiden oder von der Willkür der Vereine abhängig zu sein (kurzfristige Verträge). Ich kenne Trainer die noch 2 Jobs nebenberufich machen um über die Runden zu kommen und das von namhaften DEL Vereinen. Ich hoffe, dass sich Gemeinden und Vereine einigen können, die brachliegenden Eishallen im Sommer effizienter zu nutzen und so gut Inlinehockey auch sein mag – bewegungstechnisch und taktisch ist es kein Eishockey!

Wer sich für meine Eishalle interessiert kann gerne auf www.hockeydome.de mal vorbeischauen.

Euer Niki



Über Manuel Hiemer

Vizepräsident Landeseissportverband Sachsen-Anhalt; Vorstand Eis- und Sportverein Halle (Saale) e.V.; Inhaber M Solutionis (Online Marketing Agentur); ehem. Eishockeyspieler (EHC München, Dragodiles Bad Aibling, EV Landsberg, Star Bulls Rosenheim, Bemidji State Beavers, Silver Bay Mariners, Sportbund DJK Rosenheim)

One Response to “Der Hockey Blog – Niki’s Super Glide”

  1. Marius sagt:

    Geile Sache! Schöner Artikel! Weckt Ideen…;)

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