17. November 2010

Kann es Köln wie der DEB?

Uwe Krupp braucht Zeit und Rückendeckung

Uwe Krupp kehrt an seine alte Wirkungsstätte zurück und wird wieder ein Hai. Das ist die beste Nachricht aus Köln seit langem. Betrachtet man den Werdegang der Nationalmannschaft unter Uwe Krupp, könnte man jedoch ein wenig Angst bekommen, daß auch er den Winter 2011 nicht überleben wird. Zwar betont man bei den Haien zu Beginn immer, daß das neue Konzept Zeit zur Implementierung braucht und nicht sofort greifen wird. Spätestens im November jedoch, wenn der Tabellenplatz zweistellig und die Lanxess Arena weit unter der 10.000er Marke gefüllt ist, erklärt man das Konzept für gescheitert und sucht nach Neuem. Kann Köln also wie der DEB?

Der Deutsche Eishockey Bund vollzog nämlich mit Herrn Krupp ein Exempel, wie es die Sportwelt selten sieht. Das Vertrauen wurde vom Management des DEB bis an sämtliche Schmerzgrenzen getragen. Sogar als das Team Deutschland im Jahr vor der Heim-WM eigentlich abgestiegen wäre, hielt man am Trainer fest. Neue Methoden, Ansätze und Konzepte wurden nicht begraben sondern kontinuierlich und punktuell ergänzt oder verbessert. Neue Projekte wurden getestet, die eigenen Aktionen und Ansichten wurden überdacht, durchgesetzt oder geändert und man blieb aber immer seiner Linie treu. Von Krupps Amtsantritt am 15. Dezember 2005 bis zum Abstieg 2009 durchlief das Team des DEB eine Talfahrt ähnlich wie der KEC! Man stand ganz unten. Dies war auch dadurch bedingt, daß sehr viel geändert oder neu eingeführt wurde. Alle Beteiligten mussten sich daran gewöhnen und auch sich selbst (inkl. Spieler) anpassen. Die ersten Früchte trug das Projekt Krupp beim Deutschland Cup 2009. Mit einer etwas überraschenden Mannschaft (für Krupp natürlich nicht) konnte man das Turnier gewinnen. Doch man wurde nicht überheblich (wie es häufig in der DEL der Fall ist) und wußte alles besser, sondern arbeitete akribisch und beständig weiter am optimalen Kader für die Heim-WM. Mit Erfolg! Wir alle konnten sie miterleben, die 17 Tage im Mai.

Diese Erfolgsgeschichte sollten sich die Kölner Haie immer wieder vor Augen führen, wenn es auch nächste Saison nicht sofort mit den Top 6 in der Tabelle oder einem Zuschauerschnitt von 14.000 klappt. Uwe Krupp wird es schon meistern, nur nicht in 3 Monaten! Also liebes Haie Management bitte geben Sie Herrn Krupp die Zeit.

Wieso eigentlich neda?

Über Manuel Hiemer

Vizepräsident Landeseissportverband Sachsen-Anhalt; Vorstand Eis- und Sportverein Halle (Saale) e.V.; Inhaber M Solutionis (Online Marketing Agentur); ehem. Eishockeyspieler (EHC München, Dragodiles Bad Aibling, EV Landsberg, Star Bulls Rosenheim, Bemidji State Beavers, Silver Bay Mariners, Sportbund DJK Rosenheim)

SPOX-Analyse zum Deutschland Cup

Montag, 15.11.2010

Keine Show ohne Krupp

Nach der Sensations-WM im eigenen Land schloss das DEB-Team ein großes Eishockey-Jahr mit der erfolgreichen Titelverteidigung beim Deutschland Cup perfekt ab. Und das, obwohl nur acht WM-Helden dabei waren und acht Spieler ihr Debüt feierten. Dennoch gibt es ein großes Problem: Bundestrainer Uwe Krupp wechselt nach der WM 2011 in der Slowakei zu den Kölner Haien. SPOX erklärt, warum Krupps Weggang für den DEB ganz bitter ist.

Sturm: Die Zuschauer in der Olympiahalle mussten wohl ab und zu mehrfach hinschauen, um zu sehen, wer da gerade für Deutschland stürmt. Mit Captain Michael Wolf, Kai Hospelt, Patrick Hager und Philip Gogulla standen nur vier WM-Helden im Kader. Gerade den etablierten Kräften gebührt ein Sonderlob. Auch wenn viele Youngster überzeugten, hießen die besten deutschen Spieler Wolf und Hospelt (3 Tore).

Es ist bekannt, dass Wolf vielleicht der Lieblingsspieler von Krupp schlechthin ist, aber wer den Iserlohner wirbeln sieht, der kann diese “Liebe” schon verstehen. Es gibt kaum einen Torjäger, der so mannschaftsdienlich spielt und so hart arbeitet wie Wolf. Selbst wenn er nicht scort, hilft er der Mannschaft. Ein größeres Kompliment gibt es eigentlich nicht.

Zwei der stärksten Deutschen: Kai Hospelt und Daniel Pietta

Zwei der stärksten Deutschen: Kai Hospelt und Daniel Pietta

© getty

Die jungen Spieler konnten sich an Wolf und Co. aufrichten. Die beiden Münchener Martin Buchwieser und Martin Schymainski spielten vor gar nicht allzu langer Zeit noch in der 2. Liga – und jetzt fügen sie sich ohne Probleme ins Nationalteam ein. Schon bemerkenswert. Besonders im Fokus stand auch Augsburg-Topscorer Darin Olver.

Kurios: Der Deutsch-Kanadier war am Ende des Turniers neben Jerome Flaake, der nur ein Spiel machen durfte, der einzige Stürmer, der ohne einen einzigen Scorerpunkt blieb. Er war aber trotzdem einer der absolut besten Spieler. Olver harmonierte prächtig mit Patrick Reimer und strahlte aufgrund seiner individuellen Klasse und großartigen Übersicht bei vielen Shifts Gefahr aus.

Krupp wollte sehen, wie sich Olver auf internationaler Bühne schlägt – er hat es gesehen. Olver sollte sich fix ins WM-Team gespielt haben. Was insgesamt positiv auffiel: Deutschland besitzt auch im Sturm inzwischen eine Tiefe, die es vor Jahren noch nicht mal im Ansatz hatte. Bezeichnenderweise war es die nominell vierte Reihe um die starken Daniel Pietta und Simon Danner, die das Spiel gegen die Schweiz nach Rückstand drehte und so die Titelverteidigung sicherte.

Pietta gehört zu den Topscorern der DEL, spielt in Krefeld in der Top-Reihe – hat sich aber erst jetzt zum ersten Mal im Nationaltrikot beweisen dürfen. Das sagt einiges über die neu gewonnene Qualität im deutschen Eishockey aus. Krupp muss sich keine Sorgen machen, bei der WM 2011 vier schlagkräftige Linien aufbieten zu können.

Ein Florian Busch in Topform würde dem Team zwar gut zu Gesicht stehen, aber dessen aberwitzige Deutschland-Cup-Absage (“panische Angst” gegen die Anti-Doping-Meldeauflagen zu verstoßen) kann Krupp inzwischen gelassen hinnehmen. Kommt eben ein anderer zum Zug.

Fazit: Es waren 17 unvergessene Tage im Mai. 17 Tage, die mit einem Weltrekord begannen und einer Sensation endeten. 17 Tage, die ganz Eishockey-Deutschland begeisterten. So wird aktuell für di
e WM-DVD geworben. Deutschlands Halbfinaleinzug, der Fast-Coup gegen das große Russland – die Bilder werden wohl jedem Eishockey-Fan immer in Erinnerung bleiben.

Nun ist die WM aber längst Geschichte und der DEB muss nach vorne schauen. Die Titelverteidigung beim Deutschland Cup war ein erster wichtiger Schritt. Um es ganz klarzustellen: Der Gedanke, dass Deutschland mit dem Sieg beim Deutschland Cup den vierten Platz bei der WM auch nur in irgendeiner Form bestätigt haben könnte, ist völliger Unsinn.

Deutschland traf in München auf eine kanadische DEL-Auswahl, die mit mittelmäßigem Interesse zu Werke ging, auf eine bessere Schweizer Junioren-Mannschaft, und auf die Slowakei, die schon länger nicht mehr die Klasse von früher hat. Ja, der Sieg ist schön und wichtig für die Außenwirkung, aber sportlich heißt er so gut wie nichts.

Bei der WM in der Slowakei trifft Deutschland in der Gruppe auf den Gastgeber, Russland und Slowenien. Es gilt, Slowenien zu schlagen und die Abstiegsrunde zu vermeiden. Sonst nichts. Dennoch kann man mit einem guten Gefühl in die Zukunft blicken. Die Nachwuchsprogramme tragen erste Früchte, die Nationalmannschaft hat ein klares Gesicht.

Allzu große Sorgen, dass man Slowenien nicht schlagen kann, muss man sich deshalb nicht machen. Mit etwas Glück und guter Tagesform ist auch das Viertelfinale möglich. Die Top 8 sind wieder viel näher, als sie es vor einigen Jahren waren. Und diese Erkenntnis ist schon verdammt viel wert.

Über Manuel Hiemer

Vizepräsident Landeseissportverband Sachsen-Anhalt; Vorstand Eis- und Sportverein Halle (Saale) e.V.; Inhaber M Solutionis (Online Marketing Agentur); ehem. Eishockeyspieler (EHC München, Dragodiles Bad Aibling, EV Landsberg, Star Bulls Rosenheim, Bemidji State Beavers, Silver Bay Mariners, Sportbund DJK Rosenheim)