Der Hockey Blog – Eine Woche im Sommer

… die es mal wieder in sich hatte!

Es hat so viel Spaß gemacht, zwei Beiträge zu schreiben, die schöne Geschichten erzählten. Zwei Geschichten waren es, die von Personen handelten, die in ihrem Leben etwas riskiert haben und am Ende Erfolg ernten konnten. Und dann kam der Sonntag, 01.07.2010. Dieser Sonntag sollte eine Sommerwoche einleiten, die es seit langem mal wieder richtig in sich hatte. Zu schön war die Pause, die uns König Fußball mit seiner Euro 2012 beschert hatte.  Zu schön war die Ruhe von Hiobsbotschaften, dilettantischen Fehltritten, Klüngelei (und die einhergehenden Reibereien) und Machtkämpfen im deutschen Eishockey. Doch das Finale der EM 2012 war noch nicht mal gespielt, da schlug die erste Bombe schon wieder ein, wie ein Meteorit zur Zeit der Dinosaurier:

Der erste Rücktritt und seine tieferen Gründe

Warum war die Pressemitteilung des Deutschen Eishockey-Bundes am Sonntag, den 01. Juli 2012 so schlimm? Zunächst war doch zu vernehmen, dass diese so harmonisch und konstruktiv verlief. Doch, wen wolltet Ihr da verschaukeln lieber DEB, frage ich mich! Betrachten wir zunächst den Rücktritt von Raymund Schneeweiß. In der Mitteilung des DEB wird darüber hinweg gegangen, als wäre es das normalste auf der Welt, dass ein Vizepräsident zurücktritt. Dem wäre vielleicht so, hätte man nicht über andere Kanäle erfahren, warum Herr Schneeweiß zurücktreten musste (aus eigener Sicht!). Da kommt plötzlich ans Tageslicht, dass der Vize-Präsident, der für die Finanzen zuständig war, die Geschehnisse und Vorgehensweisen in seinem Fachbereich nicht mehr mit sich und seiner Arbeit als Oberstaatsanwalt in Hamm vereinbaren konnte! Was genau bedeutet das? Beim DEB gibt es ganz offensichtlich finanztechnische Vorgänge, die es in ihrer Art eigentlich nicht geben darf. Es ging sogar noch weiter mit Herrn Schneeweiß‘ Ausführungen. Er könne sich nicht erklären, dass der gesamte Überschuß aus der WM 2010 bereits letztes Jahr völlig aufgebraucht war. Dies ist umso erstaunlicher, als dass die offizielle Begründung darin liegt, dass das Geld in Maßnahmen zur Verbesserung der A Nationalmannschaft floss. Moment. Stop. Wie bitte? Könnt Ihr Euch noch erinnern, wie ich hier darstellte, wofür man vom BMI bzw. DOSB Fördermittel bekommt? Richtig! Es gibt projektbezogene Fördermittel zur Verbesserung der Chancen auf eine olympische Medaille. Genau darin investiert man, wenn man seine A Nationalmannschaft verbessert! Wo, also ist der millionenschwere Überschuß aus der Heim-WM geblieben? Herr Schneeweiß wird es nicht beantworten können. Er ist raus. Und jetzt kommt es knüppelhart! Lest Euch alle nochmal genau den Absatz in der DEB-Pressemitteilung durch, in dem es um die Entlastung des Präsidiums geht! Die Vorstandschaft des DEB wurde nur für 2009 und 2010, nicht aber für 2011 entlastet! Ich sage Euch eines meine Freunde des Deutschen Eishockeys: „Da kommt noch eine brutale Sauerei auf uns zu“! Und ich möchte mir definitiv nicht ausmalen, wie sich diese inhaltlich gestalten könnte…


Von der Versammlung zum (nächsten) PR-Fauxpas des Herrn Hüttl

Ich erspare mir jetzt die restlichen Details der Versammlung, weil sie unsere Sportart sowieso nicht weiterbringen (auch die merkwürdige Satzungsänderung nicht!). Dies würde auch zu weit führen, denn die nächste „Aktion“ kam kurze Zeit später. Dass der Vertrag mit Jakob Kölliker nicht verlängert wird, war irgendwie klar. Allerdings würde wohl jeder normal denkende Mensch vermuten, dass man zunächst dem Betroffenen auseinandersetzt, warum und wieso sich die Wege trennen werden. Nicht so unser PR Meister Manuel Hüttl, der, wie man es von einem echten Profi erwartet, erst einmal sämtliche Medienvertreter informiert und die Sache medial breittritt. Herr Kölliker kann es dann ja auch der Presse entnehmen. Wie geschickt und effizient, oder nicht? Ich weiß nicht wie Ihr darüber denkt, aber wie viele Fehltritte will man dem guten Herrn Hüttl noch „nachsehen“. Mir persönlich reicht es schön langsam.

Aber es kam mal wieder noch dicker!

Am 05. Juli vernahm ich eine Mitteilung in der Presse, die für mich alles bisher dagewesene in den Schatten stellte! Den Landshut Cannibals und Tölzer Löwen wurde die Lizenz für die 2. Bundesliga verweigert. Bei Bad Tölz wussten wir alle, dass es kritisch werden könnte. Gegenwärtig haben die Tölzer dies auch akzeptiert und starten in der Oberliga. Wenn man 225.000 Euro Bürgschaft nicht gewährleisten kann, spricht so manches für einen Verbleib in der Oberliga. Aber! Wie kann es sein, dass der EV Landshut und die Landshut Cannibals (Die LES GmbH) keinen Kooperationsvertrag haben? So lange es in Landshut Eishockey gibt, wird dort Nachwuchsarbeit auf Spitzenniveau betrieben. Und laut Jürgen Rumrich gibt es diesen nach wie vor! Rumrich ist ein sehr guter Sportdirektor. Er hat in Straubing als Trainer schon ganz große Arbeit geleistet. Er war, wie bereits Truntschka, ein Kandidat für den Sportdirektor-Posten beim DEB. Beide haben bekanntlich abgesagt und ließen nicht viel Gutes über den Verband verlauten. Liebe Leser, Eishockeyfans, Manager, Trainer, Betreuer, Spieler und Experten:

Dieser Lizenzentzug, der von Mauel Hüttl, Birgitt Fend und ihren DEB Mitstreitern „ausgearbeitet“ wurde, ist das schlimmste an Klüngelei und Machtkampf, das ich in dieser Sportart jemals erleben durfte. So etwas kann, darf und soll es nie wieder im Eishockey geben. Nie wieder!

Forciert die ESBG die Bewegung oder streitet sie sich tot?

Diese Retourkutsche galt vor allem nicht nur Rumrich und Truntschka, sondern bestimmt auch Rainer Beck, der sich öffentlich sehr stark gegen den Verband äußerte. Dem DEB war es dann wohl nicht genug, dass postwendend Gegendarstellungen aus den eigenen Reihen der ESBG, initiiert von Riessersee’s Chef Ralf Bader, veröffentlicht wurden. Ganz im Gegenteil! Herrn Beck sollte mit der Lizenzverweigerung ein wirkungsvoller Denkzettel verpasst werden. Es ist schier unglaublich, wie uneinig sich die Vertreter der zweithöchsten deutschen Liga immer wieder sind. Irgendwie fast schon zu erwarten, aber dennoch amüsant für alle interessierten Leser, war wenig später wieder zu erfahren, dass die ESBG dem DEB so richtig den Kampf ansagen wird. Diesesmal war es nicht der bereits „bediente“ Beck, sonder Herr Rupp, Manager der Heilbronner Falken, der in das gleiche Horn wie die Macher der Landshut Cannibals blies. Zum Leid von Herrn Hüttl wurde den Falken die Lizenz bereits gewährt. Nun liest sich doch wieder alles ganz so, als ob hier eine immer stärker werdende Bewegung gegen unseren Spitzenverband (wenn man ihn denn noch so nennen kann…) entsteht. Nachdem seit April vor allem die Fans dem Verband (und auch der DEL) ordentlich mit Protestaktionen zusetzten, scheinen nun auch Manager und sportliche Leiter genug von den Fehlleistungen von Seiten der Verbandsführung zu haben. Da rückt doch immer stärker die Meinung in den Vordergrund: „Wir brauchen den Deutschen Eishockey-Bund nicht mehr!“

Aber Vorsicht

– Wer schickt in diesem Fall unsere Nationalmannschaft zur WM?

– Wie kommen die Fördergelder von BMI/DOSB zum Deutschen Eishockey?

– Wo findet die spezielle Förderung unserer Elitespieler im Nachwuchs statt?

Der Deutsche Eishockey-Bund e.V. als Institution ist doch nicht das Problem!

Diese drei obigen Fragen alleine (Es gäbe durchaus noch ein paar mehr) zeigen eigentlich schon, dass es ohne den Spitzenverband nicht geht. Es ist doch auch gar nicht der Verband an sich, der das Problem darstellt. Ich bin mir sehr sicher, dass das alle, DEL, ESBG, Oberligen, LEV’s und alle Nachwuchsvereine, sofort unterschreiben würden. Einen Spitzenverband zu haben ist doch für die Ligen und Clubs dieser Sportart kein Problem. Wenn ein derartiger Verband in den Spitzenpositionen mit Rechtsanwälten, PR Managern und alten Legenden aufgestellt ist, deren größtes Bestreben darin liegt, sich selbst zu jedem Preis in der Position zu halten und möglichst noch die eigenen Taschen zu füllen, entwickelt sich die Gesamtsituation zu einem Dampfkessel, der irgendwann (wie zur Zeit gerade) so unter Druck gerät, dass man sich entweder von den verstopfenden Ventilen lösen muss, um Dampf abzulassen, oder sie „drin“ lässt und das Ding geht hoch! Für den zweiten Fall sei aber zu bedenken, dass dann der ganze „Kessel Eishockey“ mit allen, die sich darin oder darauf befinden, hochgeht!

Also Herr Fliegauf, Herr Lee, Herr Schaidnagel oder Herr Mateschitz:

„Bitte übernehmen Sie!“ (den DEB)

Und bringen Sie den Kessel wieder zum Laufen

Euer Einheitzer

Manuel Hiemer

Über Manuel Hiemer

Vizepräsident Landeseissportverband Sachsen-Anhalt; Vorstand Eis- und Sportverein Halle (Saale) e.V.; Inhaber M Solutionis (Online Marketing Agentur); ehem. Eishockeyspieler (EHC München, Dragodiles Bad Aibling, EV Landsberg, Star Bulls Rosenheim, Bemidji State Beavers, Silver Bay Mariners, Sportbund DJK Rosenheim)

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